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Nach der erfolgreichen Teilnahme am Radmarathon Hamburg - Berlin reifte die Idee, am traditionellen Radmarathon Trondheim - Oslo teilzunehmen. Mitstreiter waren schnell gefunden und so stellten sich der „Kraftprobe“ Kerstin, Birk und Stephan (Ingo musste leider kurzfristig absagen).

Am 21.06. ging es per Flugzeug von Stuttgart über Berlin (hier trafen wir uns alle im Flugzeug) nach Oslo. Mit an Bord war Guido – unser Fahrer, Betreuer, Organisator – der Mann für alle Fälle.

Am Flughafen in Oslo hat uns dann Dirk mit dem Begleitfahrzeug abgeholt. Zunächst ging es zum Osloer Hotel, indem wir unsere Radkoffer deponierten und dann 550 km von Oslo nach Trondheim. Auf der Fahrt nach Trondheim konnten schon ein paar Eindrücke von dem gesammelt werden, was uns auf dem Rückweg mit dem Rennrad erwarten würde. Dirk, der in Norwegen arbeitet, gab uns auf der Fahrt auch viele Infos über Land und Menschen.

Das Hotel in Trondheim lag nicht wie von Kerstin vermutet idyllisch am See, sondern in der Nähe eines Fjords und … an der Autobahn – wir schliefen trotzdem alle tief und gut.

Nach der Übernachtung wurden freitags morgens die Räder zusammengebaut – was sich beim Rennrad von Kerstin leider als etwas schwieriger rausstellte und nur durch vereintes Fachwissen von Birk, Guido, dem Radhändler aus Deutschland und einem super netten norwegischen Fahrradmechaniker (der nicht einmal Kronen dafür nahm) konnte das Rad zum Laufen gebracht werden.

Nachdem das geregelt war, konnten wir unsere Startunterlagen in Empfang nehmen. Langsam kam Vorfreude auf die anstehende Radausfahrt auf!

Gegen 23:30 wurden dann die Räder und Fahrer fertiggemacht und pünktlich um 00:05 Uhr ging es am 23.06. bei fast tagesähnlichen Lichtverhältnissen auf die Reise. Was nun kam war Rennrad pur! Auf einer sehr schönen Strecke wurden km um km abgespult. Versuche, sich mit größeren norwegischen Gruppen zusammenzuschließen, schlugen fehl, da diese meist eine sehr unregelmäßige Fahrweise anschlugen und zudem meist keine Führungsarbeit übernehmen wollten. Somit wurde der Entschluss gefasst, die gesamte Strecke zu dritt mit unserem Tempo zu bewältigen. Ein Entschluss, welcher sich im Weiteren als richtig erwies.

Auf der Strecke wurden alle Verpflegungsstationen, welche in Abständen zwischen 30 und 90 km lagen, aufgesucht (das Essen war an allen Stationen das gleiche – kulinarisch nicht der Hochgenuss – und alle Menschen, die da halfen, sehr nett und hilfsbereit). Bei größeren Abständen wurden Zwischenstopps am eigenen Begleitfahrzeug wahrgenommen: Dirk und Guido hatten dann meistens schon den Campingstuhl ausgepackt und die „Kleiderkammer“ geöffnet.

Die Strecke führte stetig bergauf, bis nach etwa 160 km eine maximale Höhe von 1066 mNN erreicht wurde. Nachfolgend wurde ein etwa 20 km langes Hochplateau durchfahren, welches von schneebedeckten Gipfeln eingerahmt wurde. Leider blies hier ordentlicher Seiten- und Gegenwind und die Fahrt wurde etwas anspruchsvoller. Die nachfolgende Abfahrt über 80 km lag unter Gegenwind, sodass auch hier keine Zeit eingefahren wurde. Im Weiteren führte die Tour bis Lillehammer (km 350) einem Flusslauf folgend durch flachwelliges Gelände. In Lillehammer hatten wir eine längere Pause geplant, welche jedoch der fehlenden Schlafmöglichkeit zum Opfer fiel. Kurz nach der Abfahrt aus Lillerhammer zwang uns starker Regen in die Regenklamotten, welche wir bis Oslo anbehalten sollten. Trotz Regen vergingen die folgenden 190 km relativ gut, wobei sich nach mittlerweile 25 Stunden Radfahren und 40 Stunden ohne Schlaf langsam Müdigkeit breitmachte.

Die letzten 30 km waren dann mental und körperlich schwerer; die Strecke führte über mehrere Anstiege, eine stetig bis zum Horizont ansteigende Autobahn und die menschen- und autoleere Stadtautobahn. Zum Ziel war noch ein knackiger Anstieg zu bewältigen und dann war es geschafft: 540 km in gut 30 Stunden bei einer reinen Fahrzeit von 22:30 Stunden! Erschöpft aber glücklich und zufrieden ging es ins Hotel und dann wollte jeder nur noch schlafen.

Es war eine sehr schöne Radtour durch ein faszinierendes Land. Die Atmosphäre und die Stimmung waren einmalig – es ist ein unbeschreibliches Gefühl, wenn man nachts durch kleine Ortschaften fährt und die Menschen am Straßenrand im Regen stehen und Dir zu jubeln. Es ist surreal, wenn man nach 540 km in Oslo ankommt.

Dank guter Vorbereitung hatten wir alle drei keine größeren körperlichen und mentalen Tiefs. Unser Dank gilt unseren beiden Betreuern – Dirk und Guido – ohne ihre Unterstützung hätten wir es nicht so einfach geschafft; tauschen hätte keiner von uns mit ihnen wollen.

Auf dem Rückweg wurden dann auch schon die nächsten großen Pläne geschmiedet: Paris-Brest-Paris oder doch lieber London-Edinburgh-London. Wir lassen uns überraschen und halten Euch auf dem Laufenden!

Kerstin, Birk und Stephan

Artikel von: Birk Kröber