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Inspiriert dadurch, dass mein Bruder und meine Schwägerin vor 1,5 Jahren nach Österreich auswanderten, wollte ich einmal einen Triathlon in den Bergen machen und das gleich mit einem Urlaubs-Besuch verbinden. Somit fiel meine Wahl auf die Challenge Walchsee-Kaiserwinkl, keine 30km von meinem Bruder entfernt.

Der Wettkampftag: Um 4:45 Uhr klingelte der Wecker... Rein in die grün/gelb Klamotten, warm eingepackt und ein kurzes Frühstück später ging es gegen 6 Uhr Richtung Walchsee. Wooow was für eine Atmosphäre in der Wechselzone.... die Luft knisterte förmlich vor Anspannung. In den Gesichtern der anderen Triathleten sah ich, dass ich wohl nicht der einzige war der vor Aufregung fast gestorben ist. Das Einrichten der Wechselzone war schon ziemlich spannend und für mich ganz neu mit den unterschiedlichen Beuteln für Run und Bike, die vor dem Wechselzelt entsprechend der Startnummer hinterlegt werden mussten.

Nun ging es zu dem ca. 1km entfernten Schwimmstart. Um 8 Uhr starteten die Profis, mit nicht gerade unbekannten Deutschen Namen wie Andi Raelert, Meike Krebs, Timo Bracht und Wenke Kujala. Mein Start war um 8:20 Uhr mit einer zu den Team-Klamotten passenden grünen Badekappe. Die Temperaturen lagen beim Start bei 14 Grad und der See hatte um die 18 Grad.
5...4...3...2...1...und dann kam er endlich der langersehnte Startschuss aus der Kanone! Nun hieß es volle Konzentration, um meine Angstdisziplin als schlechter Schwimmer zu überstehen. Aber was soll ich sagen, das Schwimmen lief für meine Verhältnisse super. Das Wasser in dem Bergsee war ein Traum und ich hatte sogar einen Blick für das Panorama was dort am Horizont vor mir lag und welches durch die sich durchkämpfende Sonne in ein traumhaftes Licht gestellt wurde. Nach knapp 49 Minuten kam ich mit einem breiten Grinsen in die Wechselzone, schnappte meinen ersten Wechselbeutel und streifte mir meinen Neo im Zelt ab. Die Helfer nahmen mir anschließend den Beutel ab und dann ging es raus aufs Rad.

Mit einem großen Respekt ging es auf die erste der zwei Radrunden, schließlich waren 900 Höhenmeter und Steigungen bis 12% zu bewältigen und das für mich als Flachlandtiroler. Aber es war alles halb so wild und ich habe die Radstrecke einfach nur genossen. Denn jeder Anstieg wurde auch mit einer langen Abfahrt belohnt und das Bergpanorama ist einfach nur der Hammer!

Nach 03:12:42 und 92,5 km war auch die zweite Disziplin meiner ersten Mitteldistanz Geschichte und jetzt musste ich "nur" noch viermal um den Walchsee laufen, das sollte doch zu schaffen sein!? Doch nach 700m kam dann der befürchtete Einbruch: Heftige Krämpfe in beiden Oberschenkelstreckern! Ich stand auf der Stelle und es ging nichts mehr...ich konnte die beiden Beine kein bisschen einknicken und geschweige denn einen Schritt vorwärts oder rückwärts gehen. Sollte das etwa mein erstes "DNF - did not finish" in der Ergebnisliste werden? Und das bei dem Wettkampf auf den ich so lange hingefiebert habe? Irgendwie habe ich es nach gefühlten 2 Stunden (laut Garmin waren es doch nur 10 Minuten) dann doch geschafft die Krämpfe durch Selbstmassage zu lösen und konnte im langsamen Jogging-Tempo weiterlaufen. Ab dann hieß es eigentlich sich nur noch von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation durchzuk(r)ämpfen. Die Temperaturen stiegen weit über 20 Grad und die Sonne brannte, aber trotz alledem hatte ich immer noch ein Dauergrinsen im Gesicht. Mein Ziel war es die Finishline mit einem Lächeln zu überschreiten und den Wettkampf zu genießen, die Zeit war mir aboslut egal. Die Stimmung an der Strecke war super und ich wurde mit Laola-Wellen und persönlichen "Uwe, das passt schoo!" Rufen förmlich bis ins Ziel getragen. Dann endlich der heiß ersehnte Zielkanal, der mit seinem roten Teppich zum Ziel führte. Mit nassen Augen, superglücklich und stolz wie Oskar konnte ich nach 6:44:20 meine erste Mitteldistanz als erledigt abhaken!

Artikel von: Uwe Uphoff