Nachdem ich meine letzten Rennen in den Alpen absolviert hatte sollte es für die nächste Herausforderung etwas flacher sein. Nicht nur aufgrund meines persönlichen Schwedenbezugs stand schon seit längerem die Vätternrundan, eines der größten Jedermannrennen der Welt auf der Bucketlist. Einmal rund um Schwedens zweitgrößten See, 315 km und rund 1.500 Höhenmeter.
Mit Dierk war schnell ein Partner gefunden, mit dem ich hier in Freiburg auf Trainingsausfahrten im flachen bis hügeligen Terrain hervorragend harmoniere. Die Sache war umgehend beschlossen. Was wir nicht wussten, dass das Startfenster abends öffnet und morgens schließt, das Rennen also zusätzlich die Herausforderung einer Nachtfahrt oder kurzen Nacht birgt. Wir haben uns für den dritten Startblock um 19:34 Uhr und demzufolge einer Nachtfahrt entschieden. Vorteil: Wir mussten uns nicht um ein Quartier für die Nacht kümmern.
Die Vorbereitung lief bei klimatisch deutlich besseren Verhältnissen gegenüber Schweden im Freiburger Umland planmäßig, die längste Vorbereitungsstrecke war knapp über 200 km durch die Rheinebene in Baden und Frankreich.
Für die Zufahrt nach Schweden war es praktisch, dass das Rennrad in eine Fahrradtasche passt und wir für die Hinfahrt keine Fahrradreservierung benötigten. Auf einer Vorbereitungsrunde in Südschweden haben wir uns am Vortag die Beine locker gefahren.
Im Startort Motala angekommen konnten wir langsam die Dimension des Rennens erahnen. Beim Aufpumpen des Hinterrades vor dem Rennen brach mein Ventil ab, so dass der Puls kurzzeitig in die Höhe geschnellt ist, wir aber umgehend einen Ersatzschlauch einbauen konnten.
Direkt vor dem Start noch bei Sonnenschein und rund 15° C haben wir unsere ehemalige Teamkollegin Nicole Meischke getroffen, deren Freund in unserer Startgruppe eingeteilt war und das bei insgesamt über 15.000 Teilnehmern. Dem auffälligen grüngelben Trikot sei Dank.
Am Start waren auch weniger ambitionierte Teilnehmer mit Stadträdern und Packtaschen sowie zwei Teilnehmer mit Clogs.
Pünktlich ging es mit einem kleinen Feuerwerk und neutralisiert los. Auch danach war es recht entspannt. Es dauerte eine Weile, bis wir geeignete Mitfahrer gefunden hatten. Aus einigen Gruppen haben wir uns ausspucken lassen, da diese zu unrhythmisch waren und wir über unseren Wattgrenzbereichen lagen. Die ersten 100 km bis Jönköping an der Südspitze des Sees lief sehr schneidig. Unterwegs war eine tolle Stimmung und mir war gar nicht bewusst, dass die Schweden so aus sich herausgehen können. Einzig die Unterwegsverpflegung in den zahlreichen Depots ca. alle 30 km bis 40 km war recht dürftig und wir froh, Engergiegels und Energieriegel selbst mitgenommen zu haben. In Jönköpping gab es mit Kötbullar und Preißelbeeren ein landestypisches Gericht, von dem wir gerne nachgenommen haben. Mittlerweile war Mitternacht durch und es entsprechend dunkel.
Bei der Abfahrt in Jönköping fing es leider kurz an leicht zu regnen und von nun an waren die Straßen von den diversen vorausgegangenen Schauern nass. Gepaart mit der Dunkelheit waren die folgenden Stunden herausfordernd. Zum Glück hatten wir einen passenden Mitstreiter gefunden, so dass wir uns in den Führungen abwechseln konnten.
Ab ca. 2:30 Uhr wurde es langsam heller. In Hjo etwa bei km 175 gab es die nächste Verpflegungsstation mit warmen Essen. Von der Lasagne haben wir uns diesmal nur eine Portion gegönnt, da wir die arge Befürchtung hatten, dass uns noch mehr davon schwer im Magen liegen und nicht bekommen würde.
Just beim Depot in Karlsborg bei km 205 setzte richtiger Dauerregen ein, so dass wir in unsere Regenklamotten gestiegen sind. Nicht gerade die besten Voraussetzungen für die letzten 100 km, von denen wir wussten, dass sie uns ohnehin schon bei guten Bedingungen in den Grenzbereich bringen würden. Bei km 250 hörte zumindest der Regen auf und das Ziel kam immer näher. Leider habe ich mir 20 km vor dem Ziel einen Platten gefahren und beim Aufpumpen des neuen Schlauchs hatten unsere Pumpen das Ventil mit herausgedreht. Doppelt ärgerlich. Allerdings hat uns ein vorbeifahrender Radler mit einer CO2 Katusche augeholfen. Mit neuen Kräften ging es dann nach Motala ins Ziel, das wir mit rund 13 Stunden Fahrtzeit (ca. 11:15 h netto) erreicht haben. Die Zielverpflegung bestand aus Burger und alkoholfreiem Bier.
Nach der Zielanfkunft muss man 6 Stunden ruhen, bevor man mit dem Auto wieder nach Hause fahren kann, was vor Ort von der Polizei auch kontrolliert wird. Es tat allerdings auch gut, ein kleines Nickerchen zu machen und uns auf der vierstündigen Rückfahrt abzuwechseln.
Die Regeneration hat mehr als zwei Wochen benötigt. Ein tolles Event, aber Randonneure werden wir bestimmt nicht.
Homepage der Veranstaltung
https://www.vatternrundan.se/en
Ergebnis:
Dierk Linsenmaier 12:53,33 Stunden (brutto)
Sven Teiwes 12:53,33 Stunden (brutto), 11:16,44 Stunden (netto)


